Geburtsschadensrecht

Ihre Ansprüche bei Geburtsschäden

Wie in der Praxis generell, können dem Arzt und / oder der Hebamme auch während der Schwangerschaft und des Geburtsvorgangs Fehler unterlaufen, mit denen zumeist äußerst schwerwiegende Folgen für das Neugeborene verbunden sind. Solche Fehler können zu schwersten Behinderungen des Kindes führen, etwa wenn es während der Geburt zu einer Sauerstoffunterversorgung (Geburtsschäden durch einen Sauerstoffmangel) kommt.

Vor allem bei Geburtsschäden ist es aufgrund der unfassbaren Ereignisse unmöglich, in irgendeiner Weise eine Art Wiedergutmachung zu erreichen. Für die Familien geht es aber auch darum, die damit verbundenen finanziellen Lasten etwa durch Pflegeleistungen, Betreuung des Kindes, Verdienstausfälle, erforderliche Anschaffungen (Pkw u.a.) abzufedern.

Als geschädigten Patienten können Mutter und Kind erhebliche Schmerzensgeldansprüche sowie Ansprüche auf lebenslangen Ersatz der materiellen Schäden, die beispielsweise infolge der Minderung der Erwerbsfähigkeit und der Einschränkung in der Haushaltsführung entstehen, zustehen. Darüber hinaus hat das Kind gem. § 843 Abs. 1 BGB Anspruch auf Zahlung einer Mehrbedarfsrente wegen behinderungsbedingt erforderlichen Betreuungs- und Pflegeleistungen.

Im Rahmen der Aufarbeitung dieses Schadensereignisses ist daher immer auch die Frage zu klären, ob der Geburtsschaden vermeidbar gewesen bzw. auf einen Behandlungsfehler des Arztes und / oder der Hebamme zurückzuführen ist. Unter Umständen mangelt es auch an einer erforderlichen Risikoaufklärung. Dabei können sich die Betroffenen im Geburtsschadensrecht auf eine ausgefeilte Rechtsprechung zu den Sorgfaltsanforderungen während der Schwangerschaft und des Geburtsvorgangs stützen.

Allgemein können Probleme auftreten während der Schwangerschaft in Form

  • einer Wachstumsretardierung,
  • einem vorzeitigen Blasensprung und Amnioninfektionssyndrom (AIS),
  • einer Präeklampsie,

während der Entbindung 

  • bei einer Frühgeburt,
  • bei Mehrlingsschwangerschaften,
  • bei Lageabweichungen (abweichend von der normalen vorderen Hinterhauptslage nimmt das Kind eine Längslage ein und der Kopf befindet sich unten / Beckenendlage),
  • bei einem Mekoniumaspirationssyndrom (Infektion des Kindes durch Aufnahme von frühzeitig abgesetzten eigenen Darmausscheidungen),

und auch aufgrund der Vornahme bestimmter medizinischer Eingriffe wie zum Beispiel der

  • Vakuumextraktion (Entbindung aus Beckenmitte mit Saugglocke),
  • Zangengeburt,
  • Notsectio (Schnittentbindung).

Zu beachten ist bei der Notsecio insbesondere die sogenannte E-E-Zeit (Zeit zwischen dem Erkennen des Notfalls und der Entscheidung zur Sectio).

Lesen Sie nähere Details in unserem Leitfaden Geburtsschäden nach.

Als spezialisierte Anwälte in diesem Bereich helfen wir Ihnen, die Frage nach einem Behandlungsfehler oder einer unzureichenden Risikoaufklärung zu beantworten und verfolgen Ihre Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche.

Risiko während der Schwangerschaft: Valproat

Zur Behandlung von Epilepsie, aber auch bei bipolaren Störungen, Manien oder Migräne wird den Betroffenen seit Langem Valproinsäure verordnet. Bekannt ist dieser Wirkstoff unter den Produktnamen Leptilan Convulex, Orfiril, Valpro beta, Ergenyl. Valproat und seine verwandten Stoffe Natriumvalproat, Valproinsäure, Valproat-Seminatrium und Valpromid können sowohl allein als auch in Kombination mit anderen Arzneimitteln – abhängig von der Dosis - zu Anomalien bei Neugeborenen führen.

Haftungsfall Sauerstoffunterversorgung bei der Geburt (Asphyxie)

Als im Geburtsschadensrecht spezialisierte Anwälte überprüfen wir mögliche Ansprüche gegenüber dem jeweiligen Krankenhaus bzw. Arzt wegen Behandlungsfehler bei nicht rechtzeitig erkanntem Sauerstoffmangel oder unzureichender Aufklärung über eine bestehende Gefahrensituation.

Behandlungsfehler bei der Schwangerschaftsbetreuung oder Geburtshilfe / unzureichende Aufklärung – Ein Leitfaden für betroffene Eltern.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass in Ihrem Fall während der Schwangerschaft oder beim Geburtsvorgang eine fehlerhafte Behandlung erfolgt ist, oder dass Sie unzureichend über bestimmte Risiken oder Behandlungsalternativen aufgeklärt wurden, sollten Sie Ihre möglichen Ansprüche gegenüber dem jeweiligen Krankenhaus bzw. Arzt wegen Behandlungsfehler oder unzureichender Aufklärung prüfen lassen.

Behandlungsfehlerverdacht? Welches sind die weiteren Schritte?

Allein der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat im Jahr 2014 insgesamt 14.663 Fälle begutachtet. Davon konnte bei 4.282 Fällen ein Fehler festgestellt werden, bei 3.796 Fällen ein Fehler mit Schaden. Diese Zahlen sind indes für Deutschland nicht repräsentativ. Matthias Schrappe geht in seiner Studie „Qualität 2030“ von Komplikationen allein im Krankenhausbereich von mehreren Prozent der Patienten aus.

Alarmierende Zahlen: Deutschlandweit pro Jahr 400.000 bis 600.000 Infektionen im Krankenhaus

Nach der Studie von Prof. Matthias Schrappe „Qualität 2030. Die umfassende Strategie für das Gesundheitswesen“ (2015) muss allein in Deutschland im Krankenhausbereich mit 400.000 bis 600.000 nosokomialen Infektionen gerechnet werden, mit Infektionen also, die auf den Krankenhausaufenthalt zurückzuführen sind. Davon seien ein Drittel als vermeidbar einzustufen, so die Studie.